Günter Machemehl (1911 - 1970)
Der Maler Günter Machemehl kann zu den Spätexpressionisten gezählt werden. Zwar gehörte er selbst nicht der bereits 1905 gegründeten Künstlervereinigung "Brücke" an, aber insbesondere seine langjährige Freundschaft mit deren Mitbegründer Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) hat ihn geprägt. Zu seinem Freundeskreis zählten darüber hinaus bedeutende Musiker und Dichter jener Zeit, so stand er seit 1933 mit Hermann Hesse in regem Briefwechsel, der bis zu dessen Tod im Jahr 1962 andauerte. Die erhaltenen Briefe wurden 2007 von Ingrid und Erwin Jenett und Jürgen Graap unter dem Titel "Wenn ich einmal das Glück hätte, Sie zu sehen" im Verlag der Kunst, Husum, herausgegeben (ISBN 978-3-86530-081-2).

Für seine Bilder, die leichter und beschwingter wirken als die unruhigen Werke der frühen Expressionisten, bevorzugte Machemehl Aquarellfarben oder aber eine speziell entwickelte Mischtechnik. Thematisch beschäftigte er sich vor allem mit Landschaften und Blumen. Heute hat seine Tochter Ingrid Jenett geb. Machemehl zusammen mit ihrem Mann Erwin die Aufgabe übernommen, das Werk des Künstlers zu verwalten und es insbesondere auch mit Ausstellungen in seiner früheren Heimat einem breiten Publikum näher zu bringen.

Geboren und aufgewachsen in Pommern gehörte die Ostseeküste, vor allem während der schwierigen Jahre seines Berufsverbots seit 1937, zu seinen Lieblingsmotiven. Pommern musste Machemehl 1946 verlassen. Eine neue Heimat fanden er und seine Frau Anne Liese in Sierksdorf an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, ihr schlichtes rotes Backsteinhaus ermöglichte einen weiten Blick über die Lübecker Bucht. In den Sommermonaten bot es oft Quartier für Schmidt-Rottluff, der sich ebenfalls von der Küstenlandschaft inspirieren ließ. In seinen letzten Lebensjahren entdeckte Machemehl neue Motive, zahlreiche Berglandschaften sind auf Reisen in Südtirol entstanden.
